In Pankow leben, arbeiten und wirken unzählige Künstler*innen – sie geben dem Bezirk sein unverwechselbares Gesicht. Außerdem besitzt Pankow ein beeindruckendes Netz an kommunalen Kulturstätten. Diese Orte wollen wir sichern und weiterentwickeln.
Unsere Erfolge zeigen, dass konsequente Kulturpolitik wirkt. Das Kulturareal Ernst-Thälmann-Park wird denkmalgerecht und energetisch saniert. Der Prater ist bereits saniert und die Volksbühne kehrt zurück. Der Weißenseer Kultursommer bleibt kulturelles Aushängeschild und wird weiter unterstützt. Mit dem Bebauungsplan für die Kulturbrauerei werden wir die kulturelle Identität des Prenzlauer Bergs sichern. Und die Begegnungsstätte „La Bohème“ in der Winsstraße konnten wir vor der Schließung retten.
Auch Europa ist Teil unseres Alltags und trägt zur Vielfalt unseres Bezirks bei. Die Städtepartnerschaften mit Kołobrzeg, Ashkelon und Riwne haben wir in den vergangenen Jahren aktiv weiterentwickelt und mit Leben gefüllt. Besonders im Bereich der kulturellen Bildung ist daraus viel entstanden. Die langjährigen internationalen Austauschformate der Jugendkunstschule Pankow wurden 2024 um eine wegweisende Zusammenarbeit der Musikschule Béla Bartók mit den Musikschulen der Partnerstädte ergänzt. Jugendliche, die sich zuvor nicht kannten und nie gemeinsam musiziert hatten, standen in einem gemeinsamen Konzert auf der Bühne – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Europa im Kleinen wächst. Diese Zusammenarbeit wollen wir fortführen und inhaltlich erweitern. Pankower Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen Europa auch in Zukunft kennen und aktiv mitgestalten – unabhängig vom Einkommen oder vom Elternhaus.
Doch diese Vielfalt steht unter Druck. Die Haushaltskürzungen des Senats treffen auch im Bezirk die Kultur. Dabei sind kommunale Kulturangebote unverzichtbar für Teilhabe und Zusammenhalt. Als Bündnisgrüne setzen wir uns dafür ein, dass die Kulturinfrastruktur unseres Bezirks bestmöglich ausgestattet bleibt.
1) Kulturräume sichern, ausbauen und transparent machen
Kulturelle Vielfalt braucht Räume zum Arbeiten, Proben, Ausstellen, Aufführen und Begegnen. In einem wachsenden Bezirk wie Pankow ist die Sicherung solcher Räume eine Daueraufgabe. Zudem wollen wir ein Verzeichnis nutzbarer Räume aufbauen.
Mit der Kulturbrauerei haben wir einen Ort für Bürger*innen geschaffen und langfristig gesichert. Die Erhaltung des Colosseum ist ein Erfolg. Wir wollen kulturelle Nutzungen in Bebauungsplänen, Neubauplänen und städtebaulichen Verträgen verankern.
Wir haben erreicht, dass die freie Szene institutionell gefördert wird und nicht mehr von Projektförderungen abhängt. Dies wollen wir verstetigen und auf weitere kulturelle Arbeit ausweiten.
Wir wollen ein vollständiges Kulturkataster aller Pankower Kulturorte
erarbeiten, um bei potentiellem Standortverlust schützenswerter Kultureinrichtungen frühzeitig Lösungen für deren Erhalt finden zu können. Bezirks- und landeseigene Immobilien sollen über Erbbaupachtmodelle langfristig für Kunst und Kultur gesichert werden, wie beispielsweise das Atelierhaus Prenzlauer Promenade. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass die Freilichtbühne Weißensee saniert wird.
Das wollen wir für Pankow:
- Zentrale Kulturorte erhalten: Wir setzen uns dafür ein, dass Kulturorte wie die Kulturbrauerei oder die Brotfabrik erhalten bleiben und weiterentwickelt werden.
- Pankower Künstler*innen unterstützen: Wir setzen uns für eigene Nutzungszeiten für Pankower Künstler*innen im sanierten Prater ein.
2) Kultur für alle: Vielfältig, inklusiv und zugänglich
Wir wollen, dass jede*r Zugang zu kulturellen Angeboten hat, unabhängig von Einkommen, Herkunft, Alter, Religion, Weltanschauung oder Identität. Kulturförderung muss deshalb inklusiv, barrierefrei und transparent sein. Wir wollen die Kulturförderung im Bezirk im Rahmen unserer Möglichkeiten ausbauen und niedrigschwellige Angebote ermöglichen. Formate wie der Artspring Pankow mit über 200 offenen Ateliers, die Kunst im ganzen Bezirk sichtbar und zugänglich machen, sind beispielhaft – das wollen wir dauerhaft unterstützen. Das FSJ Kultur muss im Bezirk Pankow erhalten bleiben.
Clubkultur und Kultur im öffentlichen Raum
Pankows Clubs und Bühnen sind kulturelle Labore. Wir wollen sie erhalten, schützen und neue Flächen erschließen. Wir unterstützen beispielsweise die Neueröffnung des Knaack-Clubs. Wo Wohnraum an Clubstandorte grenzt, müssen Bauherr*innen verbindlich für Schallschutz sorgen. Ein*e Beauftragte*r für Nachtökonomie fördert das nächtliche Wirtschafts- und Kulturleben und ist Ansprechperson und Moderator*in für unterschiedliche Interessen.
Ebenso setzen wir auf kostenlose Kultur im öffentlichen Raum – von Straßenkunst über die Fête de la Musique bis hin zu spontanen Formaten. Die Kultur im Mauerpark ist weltweit bekannt. Wir wollen sie sichern und dauerhaft verankern. Genehmigungsverfahren wollen wir vereinfachen und Ansprechpartner*innen in der Verwaltung benennen.
Musikschulen, Bibliotheken, Jugendkunstschule, Volkshochschule und kulturelle Teilhabe
Unsere Pankower Bibliotheken sind mehr als Orte der Medienausleihe. Sie sind lebendige Treffpunkte, sogenannte Dritte Orte, an denen Menschen zusammenkommen, lernen und Kultur erleben können – frei von Konsumzwang. Verlängerte Öffnungszeiten haben die Bibliotheken attraktiver gemacht und die Ausleihzahlen deutlich gesteigert. Zwei neu angeschaffte Bibliotheksfahrräder bringen Medien inzwischen auch in entferntere Ortsteile. Dank besserer Haushaltsführung und steigender Einnahmen konnten die Musikschule und die Bibliotheken aus dem Defizit geführt werden. Zugleich haben wir erreicht, dass Ermäßigungen für Musikschulkurse nun verständlich und transparent sind. Diese positiven Entwicklungen zeigen: Klare politische Prioritätensetzung wirkt.
Musik-, Volkshoch- und Jugendkunstschulen leisten in Pankow einen unschätzbaren Beitrag zur kulturellen Bildung. Doch die prekäre Haushaltslage gefährdet ihre Arbeit. Wir unterstützen die Arbeit der Musikschule Béla Bartók und die Lehrer*innen in ihren Forderungen nach Festanstellung. Das Land Berlin ist in der Verantwortung, die Festanstellung mitzufinanzieren, damit die Musikschulen nicht gezwungen sind, ihr Angebot zu reduzieren.
Die Angebote der Bibliotheken, Musik-, Volkshoch-, und Jugendkunstschulen müssen allen offenstehen und gut erreichbar sein. Wir wollen den Medienetat der Bibliotheken auf das Niveau anderer Bezirke anheben und durch die Einrichtung eines Bibliotheksbusses für den Pankower Norden und den Ankauf weiterer Fahrradbibliotheken die Angebote der Bibliotheken auch denjenigen ermöglichen, die weiter entfernt wohnen.
Wir setzen uns dafür ein, dass der Bau des Bildungs- und Integrationszentrums Buch (BIZ) umgesetzt wird. Der Neubau der Stadtteilbibliothek Französisch Buchholz soll geplant und die Ehrenamtsbibliothek Wilhelmsruh abgesichert werden. Die Bettina-von-Arnim-Bibliothek soll zu einem attraktiven, größeren Publikumsstandort umgebaut und erweitert werden. Das Best-Practice-Engagement der Bibliotheken wollen wir als Lernmodell für andere Kultureinrichtungen nutzen.
Das wollen wir für Pankow:
- Bibliotheksbus anschaffen: Ein Bibliotheksbus für den Norden Pankows oder der Ankauf weiterer Fahrradbibliotheken soll Menschen, die weiter von Bibliotheken entfernt wohnen, die Wahrnehmung des Angebots ermöglichen.
3) Europa in Pankow leben und gestalten
Städtepartnerschaften sind lebendige Brücken, die Europa in unserem Bezirk erfahrbar machen. Sie schaffen Begegnungen, bauen Vorurteile ab und eröffnen neue Perspektiven. Projekte wie die internationalen Austauschformate der Jugendkunstschule Pankow oder die wegweisende Zusammenarbeit der Musikschule Béla Bartók mit den Musikschulen unserer Partnerstädte wollen wir deshalb fortführen und inhaltlich erweitern.
Europa bedeutet auch, sich gemeinsam mit Geschichte auseinanderzusetzen. Für zukünftige Jugendbegegnungen wollen wir deshalb verstärkt Bildungsangebote nutzen, die europäische Geschichte multiperspektivisch erzählen, wie etwa das deutsch-polnische Schulbuch „Unser Europa“. So wird Austausch nicht nur Begegnung, sondern auch gemeinsames Lernen.
Die Auswirkungen der Klimakrise betreffen Städte weltweit, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Mit der Schaffung einer zusätzlichen Stelle für kommunale Entwicklungszusammenarbeit hat Pankow einen wichtigen Schritt gemacht. Gemeinsam mit der EU-Beauftragten und der Klimabeauftragten des Bezirks werden Themen wie Klimaschutz, Klimaanpassung,
Ressourcenschonung, Upcycling und Müllvermeidung vorangebracht – in Zusammenarbeit mit Entwicklungspartnerschaften, etwa in Mosambik sowie perspektivisch im Irak und in der Türkei. Diese Arbeit soll auch stärker mit den Partnerstädten Pankows verknüpft werden, um Erfahrungen aus dem globalen Süden für Pankow nutzbar zu machen.
Wir wollen bestehende Partnerschaften vertiefen und neue aktiv aufbauen. Mit Wandsworth in London und dem 11. Arrondissement von Paris streben wir neue Kooperationen an, insbesondere zu nachhaltiger Stadtentwicklung, lokaler Umweltpolitik und zivilgesellschaftlichem Engagement. Solidarität mit der Ukraine ist dabei Teil unseres europäischen Selbstverständnisses. Mit unserer Partnerstadt Riwne wollen wir den Austausch zu Resilienz, Demokratie und Zivilgesellschaft weiter ausbauen.
Europa findet aber nicht nur in Projekten und Begegnungen statt, sondern auch in der Verwaltung. Die Europäische Union bietet zahlreiche Förderprogramme und Netzwerke, die Kommunen bei der sozial-ökologischen Transformation unterstützen. Wir wollen, dass Pankow diese Chancen stärker nutzt. Eine Verwaltung, die europäisch denkt, vernetzt arbeitet und gezielt EU-Fördermittel einwirbt, kann Innovationen ermöglichen, Ressourcen erschließen und gute Beispiele aus anderen Städten nach Pankow holen.
Das wollen wir für Pankow:
- Jugend- und Bildungsaustausch dauerhaft absichern: Austauschprogramme mit Partnerstädten sollen langfristig gestärkt und sozial gerecht ausgestaltet werden, damit alle jungen Menschen in Pankow Zugang zu europäischer Begegnung und Bildung haben.
- Pankow europäisch vernetzen und Förderchancen nutzen: Wir setzen uns dafür ein, dass Pankow sich systematisch an europäischen Städtenetzwerken beteiligt, EU-Fördermittel strategisch nutzt und europäische Kooperationen fest in der Bezirksarbeit verankert.
4) Erinnerungskultur und Gedenken
Erinnern und Gedenken heißt, Verantwortung zu übernehmen – für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. In Pankow begegnen sich viele Schichten der Geschichte: die Schrecken des Nationalsozialismus, die Erfahrung von Diktatur und Repression in der DDR, aber auch der Mut, die Zivilcourage und der Aufbruch der Friedlichen Revolution. Als Bündnisgrünen ist es uns ein zentrales Anliegen, diese Geschichte sichtbar und differenziert zugänglich zu machen.
Pankow ist ein zentraler Ort der Friedlichen Revolution. Hier haben sich Ende der 1980er-Jahre Menschen vernetzt, aufgelehnt, für die Freiheit gekämpft und Geschichte verändert. Das Gedenken daran wollen wir stärken und über den Bezirk hinaus sichtbar halten. Orte der Friedlichen Revolution sollen besser erschlossen und in ihrer Bedeutung erklärt werden. Das Tourismusbüro des Bezirks soll diese Orte stärker öffentlich machen und in bestehende Angebote integrieren. Wir wollen eine Erinnerungskultur, die neugierig macht, Fragen stellt und Diskussionen ermöglicht. Der Haftkeller Fröbelstraße soll als Ort des Gedenkens und der politischen Bildung dauerhaft gesichert und weiterentwickelt werden.
Zur Geschichte Pankows gehört auch die vielfältige Subkultur: oppositionelle Gruppen, alternative Kunst- und Kulturprojekte, queere Lebenswelten und selbstorganisierte Netzwerke, die sich Freiräume erkämpft haben. Diese Erfahrungen einer widerständigen Zivilgesellschaft wollen wir würdigen und bewahren – durch Ausstellungen, Bildungsprojekte, digitale Archive und Kooperationen mit Initiativen, die diese Geschichte aus eigener Erfahrung tragen.
Erinnerungskultur bedeutet für uns auch, kritisch hinzusehen und Erinnerungsorte historisch einzuordnen. Diktaturverharmlosung oder unkommentierte Propaganda lehnen wir ab. Wir haben die kritische Kommentierung des Thälmann-Denkmals erreicht. Das muss auch am sowjetischen Ehrenmal in Schönholz geschehen. Die dortigen Stalin-Zitate stehen bis heute ohne Kontext im öffentlichen Raum. Durch Informationstafeln, Führungen, Audioguides und digitale Angebote wollen wir die historischen Zusammenhänge sichtbar machen – einschließlich der Verbrechen des stalinistischen Terrors. Auch am Gedenkstein am Ostseeplatz setzen wir auf Einordnung: Eine ergänzende Tafel soll die Jahreszahl 1941 historisch kontextualisieren und die Rolle der Sowjetunion in den Jahren 1939 bis 1941 als Verbündete des nationalsozialistischen Deutschlands benennen.
Gedenken ist dann glaubwürdig, wenn es transparent ist. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Arbeit der Gedenktafelkommission nachvollziehbarer zu gestalten und die Prozesse zur Benennung oder Umbenennung von Straßen insgesamt verständlicher zu machen. Straßennamen, Denkmäler und Sammlungen prägen das Geschichtsbild im Alltag – sie müssen kritisch überprüft, kommentiert und, wenn notwendig, verändert werden. Besonders bei unserer kolonialen Geschichte im Bezirk müssen wir genauer hinschauen. Auch in Pankow gibt es Bezüge zu kolonialem Denken und Handeln, die bislang kaum aufgearbeitet wurden. Wir wollen, dass dieses Erbe erforscht, dokumentiert und im Bezirk sichtbar gemacht wird – gemeinsam mit Initiativen, Forschungseinrichtungen und der Stadtgesellschaft. Erinnerungskultur muss vielfältige Perspektiven einbeziehen, auch migrantische, postkoloniale und transnationale Sichtweisen.
Wir setzen uns für eine Erweiterung und Digitalisierung der Pankower Gedenklandschaft ein. Neue Formen der Vermittlung sollen verstärkt Zielgruppen wie junge Menschen innerhalb und außerhalb der Schule sowie Eingewanderte ansprechen und für Menschen mit Behinderung leicht zugänglich sein. Dabei werden Zeitzeug*innen und auch migrantische Perspektiven einbezogen. So wollen wir z. B. das Haus Stille Straße 10 zu einem zentralen Ort der Auseinandersetzung mit Diktaturen ausbauen, an dem Geschichte multiperspektivisch, länderübergreifend und zeitgemäß vermittelt wird.
In unseren Städtepartnerschaften zeigt sich auch gemeinsame Verantwortung. Wir wollen Partnerstädte beim Aufbau und Erhalt von Gedenkorten unterstützen, etwa durch Spendenaktionen für das renovierungsbedürftige Holocaust-Mahnmal in Riwne.
Erinnerung soll in Pankow im Stadtbild, im Alltag und im gemeinsamen Lernen sichtbar sein. Denn sie ist Grundlage für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt.
Das wollen wir für Pankow:
- Haus Stille Straße 10 als Ort der Geschichte stärken: Die Stille Straße 10 soll zu einem zentralen Ort der Auseinandersetzung mit Diktaturen ausgebaut werden.
- Haftkeller Fröbelstraße als Gedenkort qualifizieren: Der Haftkeller soll dauerhaft gesichert und weiterentwickelt werden.
- Erinnerung in neuen Quartieren verankern: In Neubaugebieten sollen Straßen und Plätze nach Angehörigen verfolgter und marginalisierter Gruppen, nach vergessenen Held*innen und nach Opfern der Pankower Geschichte benannt werden, um Erinnerung von Anfang an im Stadtbild zu verankern.
