Fraktions-Newsletter 

6. Mai 2015

Zur Situation 1989/90

Der Runde Tisch im Prenzlauer Berg, die 1. Demokratische Kommunalwahl und einige der Auswirkungen bis heute

Gastbeitrag von Siegfried Zoels (ehemaliger Stadtbezirksrat für Inneres in Prenzlauer Berg (Neues Forum), Geschäftsführer von Fördern durch Spielmittel e.V., Vorstandsvorsitzender der Robert-Havemann-Gesellschaft)

Die erste demokratische Kommunalwahl fand am 6. Mai 1990, also vor 25 Jahren, statt. Kommunale Aktivitäten werden häufig wenig beachtet. Dabei sind sie es, die wesentlich darüber bestimmen, wie sich die Bewohner und die Besucher fühlen, wie zufrieden sie sind. Ist es ein lebendiger Stadtteil oder handelt es sich um eine Schlafstadt? Gibt es eine Willkommenskultur oder wirkt alles tot und abweisend?

Die in den 50iger bis 70iger Jahren wenig geachteten Wohngebiete aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts haben heute eine unwahrscheinliche Attraktivität entwickelt. Dabei ist uns im Ostteil der Stadt Berlin nicht die „Gnade der späten Geburt“, sondern die Chance der späten Entwicklung zugutegekommen. Unser Vorteil war der Mangel. Wedding im Westteil hatte eine ganz ähnliche Struktur und einen ähnlichen Erhaltungszustand, wurde aber in den 60iger Jahren abgerissen und fast komplett neu bebaut. Die DDR hatte gar nicht die Mittel, eine ähnliche Modernisierung durchzuführen. Die mit dem Stand von 1938 (!) eingefrorenen Mieten, die Verwaltung fast aller Häuser durch die Kommunale Wohnungsverwaltung, die zentrale Wohnraumlenkung, die mangelnden Investitionen vermittelten einen verwahrlosten Eindruck des Straßenbildes und ließen kaum erkennen, dass die meisten Bewohner vieles getan hatten, um sich ‚schöne’ Wohnungen zu schaffen. Die Bausubstanz von 1900 war ziemlich gut, die Umgebung häufig mangelhaft. Andererseits hatten die Umbrüche des 2. Weltkrieges, der Mangel an Mitteln und auch die zentrale Wohnraumlenkung eine soziale Mischung der besonderen Art geschaffen. Herausragendes Beispiel ist der Prenzlauer Berg, der sich auf diesem Hintergrund zu einem Zentrum für Opposition und Widerstand, aber auch zu einem Ort der kreativen, basisverbundenen, zukunftsweisenden Weiterentwicklung mauserte.

Die Friedliche Revolution von 1989 hat das ermöglicht, der Runde Tisch 1989/90 hat demokratische Grundsteine gelegt und Ansätze eigenständiger Konzepte zu Tage gebracht, die 1. demokratisch gewählte Bezirksverordnetenversammlung (1990 – 1992) und das von ihr gewählte Bezirksamt hat viele dieser Ansätze in die Realität umgesetzt bzw. die Weichen für deren Umsetzung gestellt. Aus persönlicher Sicht eines der Beteiligten werden hier diese Entwicklungen beleuchtet.

Eigentlich hatten wir keine Chance – aber wir haben sie genutzt!

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