24. September 2013

Baumgutachten Pappelallee / Stahlheiner Straße begleitet Straßenbauplanung und fordert Entscheidungen

Bericht von Jens-Holger Kirchner (bündnisgrüner Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung), erschienen im BVV-Fraktions-Newsletter

Am 5. September 2013 fand die öffentliche Begehung Pappelallee / Stahlheimer Str. zum Baumgutachten statt. Der öffentlich vereidigte Gutachter Herr Gehrke trug die wichtigsten Ergebnisse seines Gutachtens zum Baumbestand vor:

Die vorhandenen Pappeln und Eschen sind grundsätzlich keine geeigneten Straßenbäume.
Der vorhandene Baumbestand ist sehr lückenhaft, ein Alleecharakter ist abschnittsweise nicht mehr vorhanden. Bei Reststandzeiten von unter 15 Jahren werden die Bäume als nicht erhaltenswert eingestuft.

Bei Einordnung des Baumbestandes in 3 Kategorien ergibt sich folgendes Bild:

  • Rot = Pappel oder Reststandzeit unter 10 Jahre = 27 Bäume
  • Gelb = Reststandzeit 10 – 15 Jahre = 24 Bäume
  • Grün = Reststandzeit über 15 Jahre = 10 Bäume


Herr Zech trug als Straßenplaner folgende Sichtweise vor:

  • Bei Beibehaltung der rot und gelb kategorisierten Bäume müssten die Baumscheiben soweit vergrößert werden, dass die Anlage des Schutzstreifens für Radfahrer (wesentliches Planungsziel) nicht mehr möglich wäre. Ebenso müssten die Gehbahnen deutlich zu den Gebäuden hin verschoben werden oder häufig durch die Baumscheiben unterbrochen werden.
  • Bei Beibehaltung der rot und gelb kategorisierten Bäume wird es nicht möglich sein, eine nachhaltige Planung vorzulegen. Die weitestgehend sehr hohen Wurzellagen werden die Oberflächenbefestigungen jeglicher Art mittelfristig wieder zerstören (anheben).
  • Bei Beibehaltung der grün kategorisierten Bäume würden die vorgenannten Probleme mit einer Verzögerung von ca. 15 Jahren auch auftreten.
  • Bei der Fällung aller Bäume können die im Unterstreifen vorzusehenden Nutzungen (Bäume, Stellplätze, Schaltschränke, Straßenbeleuchtung, Fahrleitungsmaste) unter Berücksichtigung der Gehwegüberfahrten optimal angeordnet werden.
  • Bei Fällung aller Bäume kann ein einheitlicher Alleecharakter geschaffen werden und es könnten statt der jetzt 62 Bäume etwa 100 Bäume in der Pappelallee stehen


Weitere Teilnehmer hielten die Argumentation des Baumgutachters und des Straßenplaners für durchaus plausibel, hatten jedoch Bedenken im Hinblick auf einen „totalen Kahlschlag“ zu Baubeginn. Der Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern und die Vermittlung der Problematik wurde ein hoher Stellenwert beigemessen.

Die Teilnehmer tauschten Pro- und Contra-Argumente zum Erhalt der Bäume aus. Deutlich wurde auch, dass – wenn schon Bäume gefällt und neue gepflanzt werden – nicht nur eine geeignete Baumsorte gepflanzt wird, sondern viele verschiedene.

Das Bezirksamt hat zugesagt, dass für die weitere Diskussion auch die Visualisierung des Straßenraums in Varianten zur Verfügung gestellt wird. Auch ist ein Abstimmungsportal im Internet zur Abstimmung über Baumarten vorgesehen.

Am 24. September 2013 wird dem Verkehrsausschuss der BVV die Vorplanung inklusive der eingearbeiteten Ergebnisse des Baumgutachtens vorgestellt.

Die Diskussion geht weiter und muss auch weitergehen – die Entscheidung wie es in der Pappelallee mit den Bäumen weitergeht – muss gut vorbereitet und gut kommuniziert werden.

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URL:https://gruene-pankow.de/wir/in-pankow/bvv-fraktion/archiv/2013/expand/490761/nc/1/dn/1/