Medien-Echo 

21. April 2016

Schildbürgerstreich in der Kollwitzstraße?

Abriss trotz Genehmigung

Hat das Bauamt Pankow nicht richtig hingeschaut? Nach fünf Jahren gab das Berliner Verwaltungsgericht dem Mitbesitzer eines Nachbarhauses in der Kollwitzstraße 40 in Prenzlauer Berg Recht, der sich durch den Neubau eines sechsstöckigen Seitenflügels in der Hausnummer 42 in seinen Hinterhof hinein eingeschränkt fühlt. (...) Trotz der erteilten Baugenehmigung durch das Bauamt Pankow  im Jahr 2009 muss der 22 Meter lange und 400.000 Euro teure Anbau nun auf Anordung des Gerichts wieder abgerissen werden. (...)

Der damalige Baustadtrat (2006-2011) Dr. phil. Michail Nelken (64, DIE LINKE) und heutige Pankower Bezirksverordnete sagte dem rbb-Magazin WAS! im Jahr 2011 zur erteilten Baugenehmigung: „Wir sind hier im unbeplanten Innenbereich. Das heißt: Hier wurde nach Paragraph 34 entschieden, ob sich das Bauvorhaben nach Art und Maß der Nutzung einordnet. Und die Baubehörde ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich einordnet. Und deshalb muss man es genehmigen.“ (...)

Die Bauherrin hatte für den Fall des Abrisses, im Fachjargon Rückbau genannt, bereits im Jahr 2011 gedroht: „Selbstverständlich werden wir den Bezirk Pankow und die Bauaufsicht auf Schadensersatz verklagen, sollte der Bau abgerissen werden müssen, womit wir nicht rechnen.“ Baustadtrat Nelken, der inzwischen von Jens-Holger Kirchner (Grüne) abgelöst wurde, blieb gelassen: „Dem Bauherren, der einen Bauantrag stellt, wird mitgeteilt, wenn ein Widerspruch gegen den Bauantrag eingelegt wird. Ab diesem Zeitpunkt baut der Bauherr auf eigenes Risiko.“

Auch in den anderen Bezirken könnten sich Anwohner und Eigentümer auf dieses Urteil berufen. In Prenzlauer Berg werde das Thema seit langem diskutiert. „Jetzt werden diejenigen bestärkt, die eine hemmungslose Nachverdichtung kritisch sehen.“ Er gehöre auch dazu , sagt Stadtrat Kirchner. In den Gebieten, wo Hinterhöfe in den vergangenen Jahrzehnten entkernt wurden und Freiflächen entstanden, sei die Gerichtsentscheidung wichtig.

„Zum Beispiel am Arminplatz in Prenzlauer Berg, wo es viele Bauanfragen gibt.“ Dort sei Ende der 70er-Jahre entkernt worden. Ähnlich an der Husemannstraße. „Viele Investoren meinen, wo einst Hinterhäuser und Seitenflügel standen, könnte man sie wieder bauen. Das dürfte mit diesem Urteil schwieriger geworden sein.“ Der Verwertungsdruck für Grundstücke in Prenzlauer Berg sei enorm. GF-TP

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