24. März 2010

MigrantInnen stärken heißt Wirtschaftskraft stärken

Canan Bayram und Volker Ratzmann (migrationspolitische Sprecherin / Fraktionsvorsitzen- der und wirschaftspolitischer Sprecher der bündnisgrünen AGH-Fraktion) sagen mit Blick auf den heutigen 11. Migrationspolitischen Frühjahrsempfang der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

Migrantinnen und Migranten sind relevanter Teil der Berliner Wirtschaft – als UnternehmerIn- nen, MitarbeiterInnen und KonsumentInnen. Inzwischen gibt es etwa 40 000 Unternehmer- Innen und circa 100 000 Beschäftigte mit Migrationshintergrund in Berlin – eine wirtschafts- wie integrationspolitisch bedeutende Zahl. Ein Drittel der Berliner Unternehmensgründungen geht auf MigrantInnen zurück. Hinzu kommt die zunehmende Relevanz migrantischer Unter- nehmerInnen als Ausbildungsbetriebe.

In Berlin gibt es also schon große Vielfalt bei den UnternehmerInnen – und zwar in allen Wirtschaftszweigen. Nur die öffentliche Wahrnehmung ist eine andere.

Gerade wegen ihrer enormen Wirtschaftskraft müssen migrantische Unternehmen in Berlin viel stärker als bisher unterstützt werden, denn ihre Bedeutung in der Zuwanderungsstadt Berlin wird zunehmen. Sie brauchen Beratung und Coaching, Hilfe bei der Vernetzung und Informationen über geeignete Finanzierungsmöglichkeiten. Über diese Themen wird die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen heute im Rahmen eines migrationspolitischen Kongresses mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Interessensverbänden diskutieren. Die Ergebnisse werden auf dem direkt anschließenden 11. Migrationspolitischen Führjahrs- empfang vorgestellt.

Als maßgeblichen Beitrag zur Stärkung der Wirtschaftskraft und Integration in Berlin wollen wir bestehende Betriebe stärken und MigrantInnen zu Unternehmensgründungen ermuntern. So wollen wir mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze in diesen Unternehmen schaffen.

Unsere Vorschläge für Stärkung und Wachstum der ethnischen Ökonomie:

  • Lotsen für Fragen der Finanzierung und rechtlicher Voraussetzungen

Die bestehenden Informations- und Beratungsangebote für UnternehmerInnen errei- chen Migrantinnen und Migranten oft nicht und haben auch keine antworten auf ihre spezifischen Fragen. Deshalb muss sofort an der gezielten Ansprache gearbeitet werden – ein Ausgangspunkt dafür sollte die bezirkliche Wirtschaftsförderung sein.

  • Nutzerorientierte Weiterbildungs- und Coachingangebote

Obwohl der Qualifizierungsbedarf bei Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migra- tionshintergrund groß ist, sind die bestehenden Fortbildungsangebote nur selten für sie geeignet. Branchenspezifische Fach- und Deutschkenntnisse, Betriebswirtschaft und Marketing, Personal- und Organisationsentwicklung sind die gefragtesten Themen. Die Angebote müssen mehrsprachig beworben werden, das Personal muss interkulturell geschult werden, und es müssen vermehrt Fachkräfte mit Migrationshintergrund einge- stellt werden.

Um dem speziellen Beratungsbedarf von MigrantInnen gerecht zu werden, ist es erfor- derlich, existierende regionale Netzwerke weiter auszubauen und die Weichen so zu stellen, dass neue Netzwerke entstehen. Dies soll zu einem Austausch von Good Practice anregen und Basis für diese überregionale Netzwerkarbeit werden. Erfolg- reiche UnternehmerInnen sollen dafür als Coachingpartner angeworben werden.

  • Positive Kommunikation

Um die zweifelsohne vorhandenen Potenziale zu erschließen und entsprechende Ka- pitalgeber vom Gelingen von Projekten zu überzeugen, ist es notwendig, die bedeuten- den Wirtschaftskraft von Unternehmen von MigrantInnen herauszustellen. Dazu ist eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln, die ihre Stärken benennt und die Potenziale offensiv herausarbeitet.

Auch die Migrantinnen und Migranten sehen sich selbst als Teil der Berliner Wirtschaft. Sie wünschen sich die aktivere Wahrnehmung und Ansprache durch die Verwaltung. Dieser Aspekt ist daher unbedingt in der Kommunikationsoffensive und der angespro- chenen Vernetzung zu berücksichtigen.



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