Pressemitteilung 

10. Juni 2015

Senat fördert zweites Tierversuchslabor mit Millionen

Kein Geld für Ersatzmethoden

Claudia Hämmerling (tierschutzpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus) sagt zum Neubau eines weiteren Tierversuchslabors in Berlin und aktuellen Zahlen zu Tierversuchen in Berlin:

Obwohl SPD und CDU im Koalitionsvertrag vereinbart haben, Tierversuche einzudämmen und Alternativen zu fördern, macht der Senat genau das Gegenteil. Wie aus der Antwort auf eine Grünen-Anfragen (Drucksache 17/16185) hervorgeht, fördert der Senat eine zweite Tierversuchsanlage in Berlin mit 36,8 Millionen Euro. Der Baubeginn des Tierversuchslabors der Charité ist bereits still und klammheimlich im Mai erfolgt.

Bekannt war bislang nur der Neubau eines Tierversuchslabors für das Max Delbrück Centrum (MDC) für 24 Millionen Euro. Damit fördert der Senat allein die neue Infrastruktur für Tierversuche mit 60,8 Millionen Euro. Die Förderung von Ersatzmethoden ist dem Senat dagegen keinen einzigen Cent wert.

Die Förderpolitik des Senats ist einseitig und fragwürdig. Rot-Schwarz muss umsteuern –  Forschungsgelder müssen endlich in eine effiziente und tierversuchsfreie Forschung fließen. Die Koalition hat an Tierschutz aber kein Interesse. Grüne Anträge zur Ersatzmethoden-Förderung und für bessere Lehrangeboten an Hochschulen hat Rot-Schwarz jüngst abgelehnt.

Leider trägt Berlin auch ohne die beiden Neubauten schon den Titel „Hauptstadt der Tierversuche“. Wie der Senat auf eine weitere Grünen-Anfrage (Drucksache 17/16184) mitgeteilt hat, wurden vom Landesamt für Gesundheit und Soziales im Jahr 2014 insgesamt 1007 Versuche und die Zucht von mehr als 1,2 Millionen Tieren genehmigt – darunter Mäuse, Ratten, Kaninchen, Schweine, Hunde und Katzen sowie Vögel und Fische. Nach dem neuen Tierversuchsrecht hätten 335 Kontrollen durchgeführt werden müssen, da sämtliche „Verwender“ – gemeint sind Lieferanten, Laborleiter und Züchter von Versuchstieren – mindestens alle drei Jahre kontrollieren werden müssen. Tatsächlich konnten nur 34 Tierversuche und Tierhaltungen kontrolliert werden. Sieben Mal wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die Dunkelziffer dürfte angesichts des fehlenden Kontrollpersonals sehr viel höher liegen.

Tierversuche sind nicht nur ethisch angreifbar, sondern auch wissenschaftlich recht ungenau: 92 Prozent aller im Tierversuch erfolgreich getesteten Wirkstoffe scheitern in der klinischen Anwendung beim Menschen. Knapp die Hälfte aller Wirkstoffe scheitert bereits vor den klinischen Studien – etwa im Tierversuch.

Wir brauchen schnellstens Testmethoden, die die ungenauen Tierversuche ersetzen. Es wurden bereits geeignete und kostengünstigere Ersatzmethoden entwickelt, deren Testergebnisse zudem sofort auf den Menschen übertragbar sind. Das gilt für die Anwendungstest und die Grundlagenforschung. Hier finden etwa erfolgversprechende Forschungen am Multiorganchip auf der Basis menschlichen Gewebes, dem „Human on a Chip“, statt. An diesem Modell können künftig komplexe Wechselwirkungen auf den menschlichen Organismus simuliert werden. Diese Forschung ist die Zukunft und braucht politische und finanzielle Unterstützung.

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URL:http://gruene-pankow.de/wir/in-berlin/abgeordnetenhaus/ehemalige-abgeordnete/claudia-haemmerling/expand/572153/nc/1/dn/1/