11. Juli 2011

Der „Goldene Lenker“ für eine der wenigen guten Leistungen für den Berliner Radverkehr geht nach Friedrichshain-Kreuzberg

Claudia Hämmerling (verkehrspolitische Sprecherin der bündnisgrünen AGH-Fraktion) sagt anlässlich der Preisverleihung des "Goldenen Lenkers":

Mit dem "Goldenen Lenker" wird am heutigen Montag der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg prämiert, weil er einen Abschnitt der Bergmannstraße als Fahrradstraße ausgewiesen hat. Das Foto zur Prämierung des "Goldenen Lenkers" hat uns Christian Könneke geschickt. Das Foto zur "Verbogenen Felge" stammt von Bernd Albany. Die "Verbogene Felge" erhielt bereits vor einiger Zeit die Verkehrssenatorin Junge-Reyer (SPD), die mit der Leipziger Straße bewiesen hat, dass sie ihr Handwerk für Berlin nicht versteht: zwei Mal vier Autospuren, jede Menge Parkplätze und kein Quadratmeter für den Radverkehr.

Allein im vorigen Jahr wurden in Berlin sechs RadfahrerInnen getötet und 515 schwer verletzt. Es ist höchste Zeit, dass in Berlin die Sicherheitsbedürfnisse der RadfahrerInnen einen Ausgleich finden mit den Ansprüchen auf einen flüssigen Autoverkehr. So haben ja auch die Bundesverwaltungsrichter im Zusammenhang mit den benutzungspflichtigen Radwegen (blaues Verkehrsschild mit Fahrrad) entschieden. Sie dürfen nur in begründeten Einzelfällen aufgestellt werden. Zwei Berliner Radfahrer versuchen das seit Jahren gegen den Widerstand der Verwaltung durchzusetzen, um das Radfahren und sicherer zu machen. Zur Anerkennung ihrer Leistungen haben wir den Sonderpreis "Goldene Speiche" ausgelobt und damit Dirk Eggestein und Andreas Volkmann ausgezeichnet.

Den Startschuss für den Wettbewerb um den "Goldenen Lenker" und die "Verbogene Felge" gab die erste Auflage der Broschüre "Sicher im Sattel" (2010). Sie war nach vielen Hinweise und Beschwerden der Berliner BürgerInnen über die schlechte Fahrradinfrastruktur an vielen Stellen der Stadt entstanden. Daraus wurde die Idee geboren, mit einem Fotowettbewerb die beiden Fahrradpreise auszuloben und so die Öffentlichkeit aber vor allem die Berliner Verwaltung auf Defizite bei der Verkehrssicherheit von RadfahrerInnen hinzuweisen.

Uns wurden 200 Bilder und zahlreiche nicht bebilderte Zuschriften über problematische Orte für den Radverkehr oder über Orte, an denen die Bedürfnisse der RadfahrerInnen nicht berücksichtigt waren, zugesandt. Darunter gab es lediglich sechs Fotos mit positiven Beispielen. Anlässlich des Umweltfestivals überließen wir es den BesucherInnen des Umweltfestivals die besten und die schlechtesten Beispiele zu finden.

Die Resonanz der zuständigen Behörden von Senat, Bezirken und Verkehrslenkung gegenüber den an sie weiter geleiteten Beschwerden war – von einigen Ausnahmen abgesehen - mäßig bis mangelhaft. An Baustellen wird der Radverkehr so gut wie nie berücksichtigt. Parallel zu Autobahnen wie an der Blaschkowallee werden keine Radverkehrsanlagen ausgewiesen, weil sie als Stauausweichtrassen dem Autoverkehr vorbehalten sind. Falschparker auf den wenigen Fahrradspuren werden ebenso wie Raser so gut wie nie kontrolliert.

In den innerstädtischen Bezirken liegt der Anteil des Radverkehrs inzwischen über 20 Prozent. Es ist höchste Zeit, dass der Verkehrsraum fair zugunsten des Umweltverbundes aufgeteilt wird. Von den 1500 Straßenkilometern mit Tempo 50 in Berlin haben nur 8 Prozent einen Fahrradstreifen. Günstiger sieht es bei Radwegen außerhalb von Straßen aus, wie etwa in Grünanlagen. Aber alltagstaugliche Radverkehrsanlagen dürfen am Straßennetz nicht halt machen.

Unsere Forderungen decken sich im wesentlichen mit den Vorschlägen der Einsendungen zu unserem Fahrradpreis: ein zügiger Ausbau der Infrastuktur für RadfahrerInnen – auch und gerade auf der Straße, Berücksichtigung des Radverkehrs an Baustellen, ausreichend Abstellanlagen und Verkehrskontrollen mit dem Schwerpunkt der Sicherheit des Radverkehrs.

zurück

URL:https://gruene-pankow.de/wir/in-berlin/abgeordnetenhaus/ehemalige-abgeordnete/claudia-haemmerling/archiv/2011/expand/364383/nc/1/dn/1/