Medien-Echo: Berliner Morgenpost 

19. Dezember 2018

Mini-Häuser in Pankow

Wie „Little Homes“ Obdachlosen die Angst vorm Wohnen nehmen

Ein Kölner Verein baute bisher 16 Buden für Berliner Wohnungslose. Jetzt fand der erste von ihnen in Pankow eine richtige Bleibe.

An einem zugigen Dezembertag fällt die Tür zum letzten Mal ins Schloss. Und Henry, ein stämmiger, glatzköpfiger Mann mit roter Nase, nimmt Abschied von einer Bude, die er bis eben sein Zuhause nannte. Hinter ihm liegen fast zwei Jahre in einem „Little Home.“ Sein erstes Dach über dem Kopf nach fünf Jahren auf der Straße. Die Bude auf Rädern gehörte mit ihren drei baugleichen Nachbarhütten unter der Autobahnbrücke am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf zu den ersten Behausungen dieser Art in Berlin.

[...] Denn das Leben in den „Little Homes“ soll eine Zwischenstufe sein bis zur endgültigen Befreiung aus der Obdachlosigkeit. Genau darauf arbeitet der Vereinsvorsitzende mit seinen Helfern hin. Am Anfang ist das Prozedere immer gleich: „Nachdem wir einen Bewohner für ein Little Home ausgesucht haben, bekommt er von uns einen Schenkungsvertrag“, sagt Lüdecke. „Und wenn er eine feste Wohnung gefunden hat, muss er das ,Little Home' einem anderen schenken.“ [...]

Derzeit kommt der Verein mit dem Bau der Hütten kaum hinterher – und die Warteliste der möglichen Bewohner ist lang. 15.000 Bewerber sind derzeit deutschlandweit notiert. Nach intensiven Gesprächen werden einige wenige ausgewählt, die sich an bestimmte Regeln halten müssen. Alkohol und Drogen sind Tabu. Dass diese Regeln auch in der Praxis gelten, überprüft in Berlin die Caritas, die das Projekt mit Sozialarbeitern begleitet. Auch Polizei und Ordnungsamt machen unter der Brücke regelmäßig Halt, um nach dem Rechten zu sehen. „Die Kontrollen erfolgen unangemeldet“, betont Lüdecke. „Wenn es Beanstandungen gibt, wird der Verein informiert.“ Aber selbst die Müllabfuhr unterstützt das Projekt und holt einmal pro Woche den in Säcke verpackten Unrat der Bewohner ab. So läuft das in allen "Little Homes." 65 Exemplare stehen derzeit in Deutschland, 16 in Berlin – darunter die vier unter der Brücke in Pankow. [...]

Auch das Bezirksamt kümmert sich zumindest sporadisch um das Wohl der Budenbewohner und lässt die Lebenssituation beobachten. „Das Projekt hat bei unseren Sozialarbeitern bisher einen guten Eindruck hinterlassen“, berichtet Sozialstadträtin Rona Tietje (SPD). „Die Little Homes sind ein innovativer Weg, Eigeninitiative von Wohnungslosen zu fördern und ihnen Perspektive zu geben.“ Man sei mit dem Verein regelmäßig in Kontakt und für die Aufstellung weiterer Buden offen. Wenn es nach einem Antrag der Grünen-Fraktion in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung geht, könnte die Unterstützung künftig noch weiter gehen. Darin fordern die Grünen, dem Kölner Verein in Pankow eine Werkstatt zur Verfügung zu stellen, in der sich die „Little Homes“ effektiver zusammenbauen lassen. Weil aber im Bezirksamt Pankow ohnehin Platznot herrscht, ist die Eröffnung einer Werkstatt in einem freien Gebäude laut Tietje noch nicht in Sicht. Bisher hämmern die Helfer von Sven Lüdecke unter freiem Himmel auf einem Baumarkt-Parkplatz an der Storkower Straße. [...]

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