Medien-Echo: TAZ

19. Juli 2018

Mauerradweg in Berlin

Geschichts-Erfahrung mit Lücken

Der Mauerradweg auf dem alten Grenzstreifen rund um Westberlin ist in desolatem Zustand. Rot-Schwarz hat ihn vernachlässigt. Der Beginn der Sanierung ist offen.

„Where is the wall?“ Fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist dies oft die erste Frage vieler Touristen, wenn sie in Berlin ankommen. Der Wunsch, die jüngste Geschichte anschaulich nachvollziehen zu können, ist weiterhin untrennbar mit dieser Stadt verbunden. Allerdings ist von der Mauer nicht mehr viel zu sehen. Zu groß war die Euphorie über ihr Ende 1989 und 1990, als dass jemand sie damals umfassend konservieren wollte.

Umso erstaunlicher, dass das Land ausgerechnet jene Attraktion verfallen lässt, auf der die Dimension des einstigen Grenzwalls im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar wird: den Mauerradweg. Die rund 160 Kilometer lange Route entlang des alten Grenzstreifens rund um Westberlin wurde ab 2001 auf Initiative des grünen Abgeordneten Michael Cramer eingerichtet. [...] Aber in den vergangenen Jahren ist die Touristenattraktion regelrecht vernachlässigt worden. Das zeigt ein Zwischenbericht der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr für die Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Ende Mai, entstanden auf Druck des Abgeordnetenhauses. [...]

„Der Mauerweg ist in der gemeinsamen Regierungszeit von SPD und CDU sträflich vernachlässigt worden“, kritisiert der grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar, von 2011 bis 2016 Mitglied des Abgeordnetenhaus. „Das muss nun nachgearbeitet werden.“

Tatsächlich hat sich Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag Ende 2016 dazu bekannt, „gemeinsam mit dem Land Brandenburg die schadhaften Stellen des Mauerwegs zu beseitigen und die Defizite zu beheben“. Uneinig ist man sich jedoch, wie das geschehen soll. Gelbhaar fordert, den Weg unter Denkmalschutz zu stellen: „Den Mauerweg in seiner Gesamtheit als ein Stück Weltgeschichte zu sichern, geht langfristig nur so.“ Die Vernachlässigung unter der rot-schwarzen Regierungs sei ein Beleg dafür. Gelbhaar will den Weg als „sogenannten Denkmalbereich“ unter Schutz stellen; damit sei gewährleistet, dass auch künftig Veränderungen möglich sind, etwa Straßenübergänge sicher zu gestalten. [...]

Gelbhaar will derweil den Bund stärker in die Pflicht nehmen, schließlich sei der Eigentümer mehrerer Mauergrundstücke: „Ich werde die Bundesregierung und insbesondere die Kulturstaatsministerin fragen, ob in Zukunft mehr Engagement zu erwarten ist.“

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