Medien-Echo: Berliner Zeitung 

26. Juni 2017

Deutsche Wohnen kauft erstmals Haus

Bewohner haben Angst, vertrieben zu werden

Am Ende, als sich alle Hoffnungen zerstreut haben, setzen sie sich noch einmal in dem Bio-Laden im Erdgeschoss ihres Hauses zusammen, vier Frauen und ein Mann, Nachbarn, Freunde, Verbündete im Kampf gegen einen Großkonzern. Sie kauern still um einen Holztisch am Fenster, hinter ihnen rauscht der Verkehr über die Danziger Straße. „Wir sind die Leute, die das Gesicht dieses Kiezes mitgeprägt haben“, sagt eine der Frauen. „Und jetzt habe ich Angst, dass wir unser Zuhause verlieren.“ (...)

Das Haus, in dem sie leben, ein Altbau, Danziger Straße 55, Prenzlauer Berg, 22 Wohnungen, drei Gewerbeeinheiten, ist im Frühjahr an die Deutsche Wohnen verkauft worden. Rund 110.000 Wohnungen in Berlin gehören zum Portfolio des Konzerns, dessen Name mit Berichten über Heizungsausfälle, teure Modernisierungen und drastische Mieterhöhungen verknüpft ist.

Der Fall illustriert nicht nur die Preisdynamik auf dem Berliner Immobilienmarkt, er zeigt auch, wie wenig die Politik Konzernen wie der Deutschen Wohnen entgegenzusetzen hat. Zwar liegt die Danziger Straße in einem von knapp 40 Milieuschutzgebieten, in denen beim Verkauf von Immobilien ein kommunales Vorkaufsrecht gilt – ein Instrument, das dazu gedacht ist, soziale Verdrängung zu verhindern. Das Problem: Die Deutsche Wohnen hat 6,2 Millionen Euro für das Haus bezahlt. (...)

„Mehr als 4,3 bis 4,6 Millionen Euro hätten wir nicht bezahlen können“, sagt Ulf Heitmann, Vorstandsmitglied bei der Genossenschaft Bremer Höhe, mit denen die Mieter im Gespräch waren. „Das hätte sich für uns nicht gerechnet.“ Zwei Gutachten des Bezirks ergaben einen Wert von sechs Millionen – ein niedrigerer Preis ließ sich daher nicht durchsetzen.

Es wäre das erste Mal gewesen, dass der Bezirk Pankow sein Vorkaufsrecht nutzt. Aber auch Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) sagt, bei einem so hohen Preis habe seine Behörde nicht eingreifen können. Wie er es sieht, wäre die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in der Pflicht: „Einerseits müssen wir neue Regeln aufstellen, was die Wertermittlung von Gebäuden angeht. Und andererseits brauchen wir ein bisschen mehr Zeit, weil es ein so komplexer Vorgang ist.“ GF-TP

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