Medien-Echo: Berliner Zeitung 

3. April 2017

Staatssekretär für Verkehr

Jens-Holger Kirchner ist furchtlos und raubürstig

Es gibt Politiker, die mit ihren wahren Absichten meist hinter dem Berg halten. Es gibt Politiker, die sich zu wichtigen Themen nur vage, ausweichend oder unverständlich äußern. Und es gibt Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär für Verkehr in Berlin: Er gehört zu der raren Spezies Politiker, die keiner Auseinandersetzung aus dem Wege gehen und unmissverständlich Stellung beziehen – auch wenn das dazu führt, dass danach eine Welle der Entrüstung durch die Stadt rollt.

Jetzt war es wieder einmal so weit. Anlass war ein Bericht über eine Podiumsdiskussion, die am Wochenende während der Fahrradmesse „Velo“ stattfand. Demnach habe Kirchner angekündigt, dass die Parkgebühren 2018 steigen könnten. Zudem habe der Staatssekretär die aktuelle Gebühr für die Berliner Anwohner-Parkvignette (20,40 Euro für zwei Jahre) als „Frechheit“ bezeichnet. Andere Städte würden viel mehr Geld verlangen – womit er Recht hat. Zwar korrigierte Kirchners Sprecher am Montag: Der Staatssekretär habe lediglich die Einschätzung des ADAC, dass die Gebühr Abzocke sei, als Frechheit bezeichnet. (...)

„Herr Kirchner provoziert gern. Er hat nun mal eine raubürstige Art“, sagt jemand, der öfter mit dem 57-Jährigen zu tun hat. Das könnte mit Kirchners Lebensweg zu tun haben, der sich von dem anderer Politiker unterscheidet. Er hat nicht Jura oder Politik studiert, sondern an der Staatsoper den Beruf des Tischlers erlernt. Später ließ er sich dann noch zum Erzieher ausbilden. Anders als andere Politprofis hat Kirchner, der sich seinen trockenen Humor und den Dialekt seiner Heimatregion bewahrt hat, auch nicht schon in jungen Jahren den Weg zu einer Parteikarriere eingeschlagen. Er hat sich in anderen Zusammenhängen bewährt, wobei er furchtlos sein musste und fokussiert auf die wirklich wichtigen Dinge. Manch einer sagt, dass das seinen Stil bis heute prägt. (...)

Als der Alltagsradler, der aber auch Auto fährt, 2016 in den Senat wechselte, hinterließ Kirchner in Pankow kein Radfahrerparadies. Er hat erfahren, wie lange in Berlin Planungen dauern können. Doch der Staatssekretär hat auch gelernt, dass ein Politiker Visionen haben muss und den Streit nicht scheuen darf. „Parkraumbewirtschaftung ist kein Teufelszeug. In den USA, dem Autoland schlechthin, gibt es sie seit den 1930er-Jahren“, sagt Kirchner. Wieder ein Punkt für ihn.

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