Pressemitteilung 

15. August 2016

Grüne sammeln Vorschläge für über 100 Kilometer in Berlin

Radschnellwege sind möglich

Stefan Gelbhaar (verkehrspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der bündnisgrünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus) sagt zu den Vorschlägen für Radschnellverbindungen, die über von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen über die Online-Plattform „fahrradnetz-berlin.de“ gesammelt wurden:

Wir haben weit über 100 Kilometer an möglichen Radschnellverbindungen identifizieren können. Diese müssen nun auf Eignung und Umsetzung geprüft werden. Der rot-schwarze Senat behauptete bisher, es gäbe nicht genug potenzielle Routen für Radschnellwege – das ist falsch. Vor allem die SPD verschließt ihre Augen vor den Möglichkeiten des Radverkehrs.

Der rot-schwarze Senat plant eine Potenzialanalyse für Radschnellwege und lässt sich für die Fertigstellung zwei Jahre Zeit – ein Unding. Die Umsetzung darf nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden. Durch kleine Maßnahmen können bestehende Radwege, beispielsweise der Radweg Berlin-Leipzig, zügig zu einem echten Radschnellweg ausgebaut und bekannter gemacht werden. Weitere Routen müssen jetzt schnell planerisch vorbereitet werden, damit in den nächsten Jahren beim Bund und der EU Fördergelder beantragt werden können. Immerhin ist die Fördermöglichkeit auf Bundesebene explizit geschaffen worden.

Der Bedarf nach Radschnellverbindungen steigt rapide – die wachsende Stadt benötigt Alternativen für Pendlerinnen und Pendler. Mehr als 250.000 Menschen pendeln täglich zwischen Berlin und Brandenburg – viele davon mit dem Auto. Inzwischen gibt es mindestens 80.000 Pedelecs in Berlin – Tendenz stark steigend. Mit Pedelecs sind längere Distanzen auch über zehn Kilometern problemlos zu bewältigen. Dafür braucht es eine Radinfrastruktur, auf der man zügig vorankommt.

Radschnellwege schaffen solche schnellen Verbindungen von den Außenbezirken in die Innenstadt. Damit können die Hauptverkehrsstraßen und der ÖPNV in der wachsenden Stadt entlastet. Andere Städte in Deutschland haben dies schon längst erkannt. Jetzt muss auch der Senat zügig handeln.

 

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HINTERGRUNDINFOS RADSCHNELLWEGE

Radschnellwege

Die Radschnellverbindungen sollen von den Außenbezirken bzw. dem Berliner Umland bis in die Innenstadt führen. Sie sollen vor allem dort entlang führen, wo stark genutzte Pendlerverbindungen entlastet werden können. Die Radschnellverbindungen sollen insbesondere Bezirkszentren und Gewerbestandorte mit vielen Arbeitsplätzen wie Adlershof, Buch oder zukünftige Entwicklungsgebiete wie Tegel anbinden. Zusätzlich wäre eine möglichst durchgängige Radschnellverbindung entlang des S-Bahn-Rings wünschenswert.

Ideensammlung für Radschnellwege auf „fahrradnetz-berlin.de“

Wir Grüne haben dazu aufgerufen, über unsere Internetseite „fahrradnetz-berlin.de“ geeignete Routen zu nennen. Bislang wurden weit über 100 Kilometer an möglichen Radschnellverbindungen gesammelt, die nun detailliert geprüft werden können.

  • Adlershof – Kreuzberg = 15 km
  • Buch – Pankow = 9 km
  • Flughafen Tegel/Schwarnweberstraße – Hauptbahnhof = 5 Km
  • Henningsdorf – Bornholmer Straße = 18 km
  • Rathaus Spandau – Straße des 17. Juni = 12 km
  • Heerstraße von Wilhelmstraße – Theodor-Heuss-Platz = 7 km
  • Wannsee – West Kreuz = 11 km
  • Griebnitzsee – Zehlendorf = 8 km = Teltow – Potsdamer Platz = 13 km
  • Warschauerstraße – Zoologischer Garten (Landwehrkanal & Radbahn) = 8 km
  • Elsterwerder Platz – Ostkreuz = 6 km
  • Niederschöneweide – Ostkreuz = 7 km
  • Siemensbahn = 3,5 km
  • Stammbahn = 8 km

    → Insgesamt ca. 130 km

Die genaueren Routenverläufe sind auf fahrradnetz-berlin.de einzusehen.

Warum Radschnellwege/ Radschnellverbindungen?

  • Radschnellwege sind für Pendler aus den Außenbezirken und dem Speckgürtel attraktiv und entlasten Hauptstraßen, Autobahnen und auch den ÖPNV
  • Mit Pedelecs sind längere Distanzen ab 10 km problemlos mit dem Fahrrad bewältigbar. Dafür braucht es jedoch eine Radverkehrsinfrastruktur, auf der man zügig vorankommt ohne zu häufig anhalten zu müssen und auf der unterschiedliche Geschwindigkeiten möglich sind.
  • Radschnellwege haben wegen ihrer Sichtbarkeit eine große Öffentlichkeitswirkung für das Thema Radverkehr. Sie sind damit ein Instrument, um dem Radverkehr insgesamt ein größeres Gewicht zu verschaffen.
  • Radschnellwege müssen in eine Vielzahl anderer Maßnahmen zur Radverkehrsförderung eingebettet werden, von der Schaffung von Radfahrstreifen an Hauptverkehrsstraßen über die Einrichtung von Fahrradstraßen bis zum Aufstellen von Abstellanlagen.

    Daraus ergeben sich folgende Kriterien für gute Radschnellverbindungen:
  • Wünschenswerte Mindestlänge von 5 Kilometern
  • Direkte, weitgehend umwegfreie Linienführung
  • Kreuzungsfreie Führung oder weitest gehende Bevorrechtigung an Knotenpunkten, wenn möglich Priorisierung durch Lichtsignalanlagen (grüne Welle), möglichst geringe Wartezeiten an LSA (max. 30 Sekunden)
  • Weitgehende Trennung zwischen Rad- und Fußverkehr
  • mögliche Führungsformen: bauliche Radwege, getrennter Geh- und Radweg, Fahrradstraße, Radfahrstreifen (Bauliche Trennung vom MIV bei Radfahrstreifen). Ausgeschlossen sind: verkehrsberuhigte Bereiche, verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche, Schutzstreifen
  • Breite möglichst 4 Meter im Zweirichtungsverkehr zzgl. Sicherheitstrennstreifen, 3 Meter im Einrichtungsverkehr zzgl. Sicherheitstrennstreifen
  • im Regelfall farbliche Markierung an Kreuzungen und bei angrenzendem Fuß- und Radweg
  • Beleuchtung
  • Regelmäßige Reinigung und Winterdienst
  • durchgängige Fahrradwegweisung, Infotafeln, Beschilderung
  • Service (evtl. Luftstationen, Rastplätze mit Abstellanlagen, punktuelle Überdachung als Regenschutz, etc.)

    Weitere Kriterien, deren Umsetzbarkeit wir diskutieren, sind:

  • max. 20% längerer Weg im Vergleich zur kürzesten Verbindung und 10% im Vergleich zu parallelen Hauptverkehrsstraßen
  • Eignung bisheriger Multifunktionswege bei geringer Fußgängerfrequenz oder ausreichender Breite, um Konflikte zwischen Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen zu vermeiden
  • Möglichst unabhängig vom KFZ-Verkehr geführt
  • Die Standards für Radschnellwege sollten auf mindestens 90% der Strecke eingehalten werden, auf den restlichen max. 10% mindestens die Standards der ERA 2010



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