Fraktions-Newsletter 

11. November 2015

Wie sieht aktuell die Situation der Geflüchteten in Pankow aus?  

Daniela Billig (Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Geflüchtete) und Constanze Siedenburg Sprecherin für Schule, Sport und Integration

Zu diesem Thema hatte die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen am 2. November 2015 zu einer thematischen Fraktionssitzung eingeladen. Als Gäste konnten wir die Pankower Flüchtlingskoordinatorin Frau Gust und Frau Adam von der Netzwerkstelle [moskito], die das Willkommensnetzwerk PANKOW HILFT koordiniert, begrüßen. Im Folgenden gibt es eine Übersicht der Informationen, die wir aus den Gesprächen mitgenommen haben. 


Überblick

In Pankow leben derzeit etwa 2.200 Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften, ca. 600 Personen, die noch auf ihre Registrierung warten, in Notunterkünften. Der Ablauf der Registrierung ist verbessert, seit die neue Registrierungsstelle in der Bundesallee arbeitet. Inzwischen gibt es sieben Gemeinschafts- und fünf Notunterkünfte im Bezirk. Zu fast jeder Unterkunft ist eine Unterstützungsgruppe aktiv. 

Den Newsletter von PANKOW HILFT haben ca. 800 Menschen abonniert. Etwa die Hälfte davon zählt zu dem „harten Kern“ der aktiven ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in Pankow. Diese engagieren sich praktisch in den Unterkünften, der Kleiderkammer, bei Begleitung oder ähnlichem.

Für die UnterstützerInnen bietet [moskito] u.a. Fortbildungsveranstaltung an, um Fragen u.a. zu gesetzlichen Grundlagen zu erklären. Theresa Adam erstellt derzeit einen Leitfaden mit fachlichen Informationen für Pankow und ein Wiki. 

[moskito] arbeitet ferner daran, die ehrenamtlichen Angebote zielgerecht an die Geflüchteten zu vermitteln, dafür wird derzeit ein Mentoring-Programm aufgebaut.

Bei der Pankower Flüchtlingskoordinatorin Frau Gust und der Integrationsbeauftragten des Bezirks Frau Niewiedzial laufen alle Informationen zu den Geflüchteten im Bezirk zusammen. Anfragen von außen werden an die betreffenden Ämter weitergeleitet. Ab Anfang Dezember 2015 wird eine weitere Koordinierungsstelle bei der Sozialstadträtin besetzt werden, die für die interne Kommunikation zuständig sein wird. 

In Pankow sind im Moment zwei Flüchtlingslotsen bei der OASE angestellt. Sie sind die Hauptansprechpartner der Geflüchteten. 


Ehrenamtliches Engagement 

Ehrenamtliches Engagement wird in Berlin überwiegend von hauptamtlichen Trägern, Vereinen oder Einrichtungen begleitet. Bei der Gefüchtetenarbeit steht in Pankow zurzeit nur in Berlin-Buch eine hauptamtliche Begleitung zur Verfügung, im Frei-Zeit-Haus Weißensee immerhin bald auch eine ab Januar 2016. Die meisten Unterstützungskreise haben daher autonome Strukturen, die spontane Hilfsbereitschaft ermöglichen, aber die teilweise mit der Verteilung und Koordinierung der vielen Hilfsangeboten überfordert sein können.  Freie Träger der Unterkünfte stellen derzeit kein hauptamtliches Personal dafür zur Verfügung. Die Überlegung des Landes Berlin, Gelder für Stellen an die Träger zur Koordinierung des Ehrenamtes zu geben, sind unterstützenswert, denn dann gäbe es die Chance auf erfahrenes und motiviertes Personal für diese Aufgabe.


Wohnraum

Zunehmend gibt es Anfragen von Privatpersonen, die Gebäude für kleine Unterkünfte oder Wohnungen zur Verfügung stellen möchten. Da es dafür keine Ansprechpartner auf Landesebene gibt, werden die Anfragen an das Sozialamt weitergeleitet. Dezentrale Unterkünfte oder Einzelwohnungen wären sicherlich besser. Der Wechsel in Einzelunterbringungen, auch in Hostels, hat jedoch manchmal zur Folge, dass die Betroffenen aus dem Hilfssystem und der Betreuung fallen. 

Die Vermietung von Wohnraum sollte intensiver vom Senat bekanntgemacht und über rechtliche Regelungen informiert werden. Da Wohnraum in Pankow generell knapp ist, muss darauf geachtet werden, dass weiterhin alle Bedürftigen bedacht werden.


Aktuelles

Eine ganz aktuelle Herausforderung ist die Betreuung von Kindern und Jugendlichen am Nachmittag im Bereich Berlin-Buch. Die Öffnung von Schulen am Nachmittag wäre sinnvoll, damit sich Jugendliche dort treffen könnten, aber häufig steht kein Hausmeister zur Verfügung, um aufzuschließen. Die Pankower Sportvereine wollen sich ebenfalls noch über das bisherige Engagement für Geflüchtete hinaus, weiter öffnen. Dazu würden sie aber mehr Trainingszeiten an Nachmittagen oder Abenden brauchen. Es besteht dabei leider die Befürchtung, dass Nachbarn sich darüber beschweren könnten.


Stadtteilzentren

Zur Betreuung, sozialen Beratung, Freizeitgestaltung und Integration sollten in Zukunft Stadtteilzentren eine größere Rolle bekommen und zu Ankunftszentren ausgebaut werden. Diese Aufgaben könnten besser verwebt werden mit der weiteren Stadtteilarbeit. Einige Beispiele, besonders im Westteil von Berlin, zeigen wie das gehen kann. Da läuft teils vollständig die Unterstützungsarbeit und in der Enge der Unterkünfte ist jeder andere Ort für die Freizeitgestaltung eine Entlastung. Diese Stadtteilzentren sind sehr lebendige und stark genutzte soziale Treffpunkte. Auf diese Art und Weise können die Stadtteilzentren gestärkt, stabilisiert und finanziell besser ausgestattet werden. 


Integration

Die bestehende Migrantenselbstorganisation sollte auch für Geflüchtete als Vorbild für die Integration dienen. Vor dem Hintergrund, dass die Zuzüge in Pankow aktuell zum größten Teil aus dem europäischen Ausland kommen, gründet die Integrationsbeauftragte derzeit das „Netzwerk Neuzuwanderung“. Hier sollen die Stärken und Qualifikationen der Zuwanderer beleuchtet und mit einbezogen werden. Das Bezirksamt arbeitet im Moment an einem Wegweiser für Anlauf- und Beratungsstellen, der noch dieses Jahr in verschiedenen Sprachen vorliegen soll. 

Eine gelungene und praktikable Publikation für die Flüchtlingshilfe hat das Bundesland Baden-Württemberg veröffentlicht und steht hier zum Download zur Verfügung:
http://www.fluechtlingshilfe-bw.de/fileadmin/_flh/Praxistipps/Handbuch_Fluechtlingshilfe_web.pdf

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URL:http://gruene-pankow.de/presse/archiv/2015/expand/585264/nc/1/dn/1/