18. März 2011

Masterplan Tram - Chancen für Berlin

Claudia Hämmerling (verkehrspolitische Sprecherin der bündnisgrünen AGH-Fraktion) hat in einem Pressegespräch den "Masterplan Tram" vorgestellt. Mit dem "Masterplan Tram" will die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für Berlin trotz der drückenden Landesverschuldung eine höhere Energieeffizienz im Verkehr erreichen, attraktive Verkehrsangebote für zusätzliche Fahrgäste anbieten und die BVG wirtschaftlicher machen.

Masterplan Tram mit Karten von allen geplanten Strecken

Mobilität in Berlin

Energieeffizient, ressourcenschonend, klimafreundlich – das sind die Schlagworte für die Mobilität der Zukunft - obendrein kostengünstig, das ist in Berlin ein Muss. Der Umfang der CO2-Emissionen durch Straßenverkehr an den gesamten CO2-Emissionen ist in Berlin von 12 Prozent auf 17 Prozent gestiegen. Das beweist: Beim Verkehrsverhalten ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Energieeinsparung und Klimaschutz schwächer ausgeprägt als in anderen Politikfeldern. Der Grund: Viel hängt vom individuellen Mobilitätsverhalten ab. An der Notwendigkeit, unser Mobilitätsverhalten zu ändern, führt kein Weg vorbei. Wir möchten, dass mehr BerlinerInnen umweltschonend mobil sind. Nicht durch Zwang, sondern durch attraktive Verkehrsangebote.


Beschleunigung und Ausbau des Tramnetzes zur Effizienzsteigerung

Derzeit erhalten die Verkehrsunternehmen Ausgleichszahlungen jeweils in dreistelliger Millionenhöhe, weil die Ticketpreise nur zur Hälfte kostendeckend sind. Die BVG ist mit 750 Millionen Euro hoch verschuldet und hat ein negatives Betriebsergebnis. Das lässt den Schuldenberg jedes Jahr um 60 Millionen Euro ansteigen. Angesichts der begrenzten Haushaltsmittel ist es unser Ziel, mit möglichst geringem Betriebsaufwand so viel zusätzliche Fahrgäste wie möglich zu generieren. Daraus ergeben sich Konsequenzen für Investitionen und Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel. Dort, wo Investitionen in die Straßenbahn die Kostendeckung des Nahverkehrs erhöhen und eine große Zahl von Neukunden erreicht werden kann, sind Investitionen sinnvoll. Damit kann der Landeshaushalt entlastet und ein Beitrag zur Entschuldung der BVG geleistet werden.


Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg

Ob das Land Berlin es sich unter der angespannten Haushaltslage leisten kann, neue Straßenbahntrassen zu bauen, hängt davon ab, ob es gelingt am Ende ein positives wirtschaftliches Ergebnis zu erzielen. Das ist möglich, wenn weniger effiziente Verkehrsmittel auf der selben Trasse kompensiert werden können und wenn zusätzliche Fahrgäste für den ÖPNV gewonnen werden können, z.B. durch attraktive neue Umsteigeknoten, eine hohe Reisegeschwindigkeit und die Erschließung neuer Verbindungen. Für die Trassenführung der Straßenbahn gilt: Dort, wo die Tram im Autoverkehr stecken bleibt, ist sie teuer und unattraktiv. Deshalb müssen Neubaustrecken ebenso wie bestehende Linien z.B. die M10 auf der Eberswalder Straße ein eigenes Gleisbett erhalten. Auch Ampelschaltungen müssen endlich zugunsten der Straßenbahn geschaltet werden.

Wenn neue Straßenbahnlinien kostendeckend oder mit Gewinn betrieben werden können, sollten sie gebaut werden. So erhält die BVG die Möglichkeit, das strukturelle Defizit zu verringern und das Land erhält die Möglichkeit, Zuschüsse einzusparen.


Maßnahmen Zur Netzerweiterung

Die Investitionsmaßnahmen sind der Wichtigkeit nach geordnet nachfolgend aufgezählt:

  • Linie M4: Verlängerung der Tram vom Alex über das Kulturforum (3,4km) nach Steglitz (7,0km) Priorität 1
  • Linien M10 und M13: Verlängerung beider Linien von Warschauer Straße bis Hermannplatz (3,0km) Priorität 1
  • Linie M10: Verlängerung vom Hauptbahnhof bis Turmstraße (1,7km) und langfristig bis Mierendorffplatz (2,7km) Priorität 2
  • Linie M50 Neu: Vom S-Bahnhof Pankow über Pankow Kirche, Wollankstraße bis Osloer Straße (2,6km) und weiter bis Turmstraße (4,6km), später Verlängerung mit der M10 bis Mierendorffplatz Priorität 2
  • Linie M9 Neu: Neue Metrolinie ab Wittenbergplatz über Potsdamer Platz, Hallesches Tor bis Hermannplatz (6,3km), später Verlängerung über Sonnenallee, Baumschulenweg und Oberschöneweide bis Köpenick (7,4km) Priorität 2/3
  • Linie 20 Neu: Langfristig soll eine Straßenbahn mit direkter Linienführung und ausgewählten Haltestellen über den Verkehrskorridor zwischen Friedrichshain, Ostkreuz und Niederschöneweide bis Altstadt Köpenick führen. Diese Verbindung korrespondiert mit der städtebaulichen Entwicklung des Südost-/Spreeraumes Priorität 4



Ausblick

Alle, auch die bisher geplanten Trassen, müssen zunächst im Flächennutzungsplan (FNP) planungsrechtlich gesichert werden, damit die Trassen nicht durch andere Investitionsmaßnahmen verstellt werden. Entsprechend ihrer Priorität sind dann für die einzelnen Trassenabschnitte Bauplanungen zu erarbeiten. Anschließend wird Planungsrecht geschaffen und schrittweise gebaut. Dabei muss müssen jeweils immer schon die Planungen für den nächsten und übernächsten Bauabschnitt vorbereitet werden, damit Gelder aus den schwer vorhersehbaren Bundes- und EU-Programmen für uns genutzt werden können.

Im Zuge der städtebaulichen Entwicklung, wie zum Beispiel durch die Entwicklung des Spreeraumes oder die Nachnutzung des Flughafens Tegel, werden sich künftig Nachfragepotenziale ergeben, die weitere Trassen wirtschaftlich machen. So wäre beispielsweise neben der Beförderung von Personen auch der Transport von Gütern auf Straßenbahntrassen sinnvoll und wünschenswert und könnte im Zusammenhang mit der Entwicklung von Logistikstandorten perspektivisch wirtschaftlich darstellbar sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, auch solche Trassen planungsrechtlich abzusichern, für die aus heutiger Sicht die Realisierung weniger effizient wäre.



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URL:http://gruene-pankow.de/presse/archiv/2011/expand/345015/nc/1/dn/1/