29. Januar 2011

Senat soll sich für Alternative zur unendlichen S21-Geschichte entscheiden

Claudia Hämmerling (verkehrspolitische Sprecherin der bündnisgrünen AGH-Fraktion) erklärt zum bevorstehenden Baustellenchaos am Hauptbahnhof:

Die ersten beiden Bauabschnitte der S21 kosten 317 Mio. Euro. Angesichts der Tatsache, dass das bestehende S-Bahnnetz zunehmend verrottet, eine mehr als fragwürdige Entscheidung. Es gibt eine kostengünstige Alternative zur Nord-Südanbindung des Hauptbahnhofs. Mit Duo-S-Bahnen nach Hamburger Vorbild ist es möglich, die vorhandenen Fernbahngleise zu nutzen und ab 2017 von Gesundbrunnen über Südkreuz zum BBI zu fahren. Das löst kostengünstig gleich zwei Verkehrsprobleme in absehbarer Zeit. Es passt auch zeitlich, denn neue S-Bahnzüge müssen sowieso beschafft werden. Berlin braucht intelligente preiswerten S-Bahnbetrieb statt kostspieliger Infrastrukturprojekte die erst in Jahrzehnten Nutzen bringen.

Der Senat hat auf Anfrage zur S21 bestätigt, dass der Nutzen des Projektes erst nach Fertigstellung der beiden Bauabschnitte bis zum Potsdamer Platz zum Tragen kommt. Der 2. bauabschnitt soll erst 2017 beginnen, wann er fertig ist, steht völlig in den Sternen. Wenn die Verbindung zwischen Ring und Hauptbahnhof fertig ist, sollen hier stündlich 9 S-Bahnen verkehren. Diese Kapazitäten sollen dem vorhandenen S-Bahnnetz entzogen werden. Die Parallelen zu dem U55-Großprojekt sind unübersehbar. Als der Senat hier die Notbremse ziehen wollte, war es zu spät.

Der Preis für die S21 ist weit höher als 317 Mio. €. Das Bahnhofsumfeld wird über Jahre zur Großbaustelle. Die Verkehrsplanung für das Baustellenchaos am Hauptbahnhofsareal überlässt der Senat der DB AG. Kein Wunder, dass er die Verantwortung für die drohenden Verkehrsprobleme nicht übernehmen will. Immerhin will er das derzeitige Verkehrskonzept überprüfen und „Verbesserungsvorschläge entwickeln“. Vor diesem Hintergrund ist die teure Umgestaltung des Washingtonplatzes allerdings reine Geldverschwendung.

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