Pressemitteilung 

20. Juli 2016

Zeugnis für Scheeres

Versetzungsgefährdet

Stefanie Remlinger (stellv. Vorsitzende und Sprecherin für Bildung und berufliche Bildung der bündnisgrünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus) vergibt Bewertungen für Senatorin Scheeres anlässlich der Zeugnisvergabe im Schuljahr 2015/2016 und hält sie wegen gleichbleibend schwacher Leistung für versetzungsgefährdet:

Schulbauten: Note 5
Eltern, Schulleitungen, ExpertInnen und viele andere haben dieses Thema über die Jahre an Sandra Scheeres herangetragen. Leider ist es trotz vielfältiger Anstrengungen nicht gelungen, ihr in diesem Punkt das Arbeiten im Team zu vermitteln, etwa mit dem Finanz- und dem Bau-Senator. Daher sehen viele Schulgebäude nach wie vor katastrophal aus. MURs und MEBs – Mobile Unterrichtsräume und Modulare Ergänzungsbauten – sind keine Lösung!

Schulplätze: Note 5
Selbst am Ende des Schuljahres wissen viele Schülerinnen und Schüler nicht, welche Einrichtung sie im kommenden Jahr besuchen dürfen. Grund- und Oberschulen müssen trotz knapper Kapazitäten immer mehr Kinder aufnehmen. Scheeres hat es nicht verstanden, tragfähige Schulentwicklungspläne für die Bezirke aufstellen zu lassen.

Inklusion: Note 3
Hier bemüht sich die Schulsenatorin redlich. Allerdings übertreffen ihre verbalen Aktivitäten zu oft ihre sonstigen Bemühungen. Erst ein sogenanntes SIBUZ – ein Schulpsychologisches und inklusionspädagogisches Beratungs- und Unterstützungszentrum - konnte eröffnet werden. Stellen in der Schulpsychologie wurden zuletzt abgebaut - jetzt muss Scheeres um Neueinstellungen kämpfen. Für dieses Hin und Her gibt es ein Befriedigend.

Willkommensklassen: Note 3
Sandra Scheeres hat das Thema verstanden und sich bemüht, für Kinder von Geflüchteten Personal und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Wegen der Raumknappheit ist dieser Erfolg in Gefahr. Die Senatorin muss zudem aufpassen, dass die Kinder nicht zu lange in dieser Beschulungsform gefangen bleiben.

Personalentwicklung: Note 4
Viele pädagogische Kräfte verlassen altersbedingt in den kommenden Jahren die Schulen. Der Fachkräftemangel droht insbesondere an Grundschulen dramatische Ausmaße anzunehmen. Scheeres hat dieses Problemfeld viel zu spät erkannt und wird sich nun sehr anstrengen müssen, ihren Rückstand aufzuholen.

Mehrsprachigkeit: Note 4
Die Schulsenatorin hat bisher die Chance verpasst, Kindern z.B. mit türkischem, kurdischem oder arabischem Hintergrund ordentliche Angebote zu machen, um die Grundlagen der zu Hause gesprochenen Sprachen zu verbessern. Hier darf sie gerne mehr Mut und Engagement zeigen. Zwei- und Mehrsprachigkeit darf ruhig zum Berliner Normalfall werden.

Sport: Note 3
Scheeres schleppt sich bei sportlichen Aktivitäten über den – oft maroden – Platz. Turnhallen, Schulschwimmen und Sportplätze sollten ihr trotz des gezeigten Grundverständnisses für das Thema noch mehr am Herzen liegen.

Übergang Schule-Beruf: Note 4
Scheeres hat es nicht verstanden, den Eltern und SchülerInnen die gute Arbeit und die Perspektiven der Oberstufenzentren zu vermitteln – gerade wenn es um Wege zum Abitur geht. Daher leiden Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe unnötig.

IT-Technik an Schulen: Note 5
Zwar hat die Bildungssenatorin verstanden, wie wichtig es für die SchülerInnen ist, einen souveränen Umgang mit neuen Medien und Techniken zu erlernen. Leider gelang es ihr jedoch nicht, diese Erkenntnis auch an praktischen Projekten wie z.B. EGovernment@school unter Beweis zu stellen. Auch der EEducation Masterplan verharrt im Dornröschenschlaf.

Gesamtbewertung:
Sandra Scheeres ist eine fröhliche und offene Bildungssenatorin, die gut mitarbeitet und eine gewisse Durchsetzungsstärke mitbringt. Leider liegt ihr das eigenständige Arbeiten und konzeptionelle Denken nur wenig, weshalb sie auf Anregungen von Dritten angewiesen bleibt. So gehen die Jugendberufsagentur, die Abschaffung der Früheinschulung, die bessere Bezahlung von GrundschulleiterInnen, die Ausweitung des Bonusprogramms, die baldige Einrichtung einer Antidiskriminierungstelle für den Schulbereich sowie die zusätzlichen SIWA-Millionen für die Schulsanierung auf den Druck von Eltern und grüne Forderungen zurück. Auch das Konzept für die Inklusion erstellt die Senatorin nicht ohne grüne Hilfe.

Sandra Scheeres ist im Schuljahr 2015/2016 wegen gleichbleibend schwacher Leistung versetzungsgefährdet. Ihr wird empfohlen, sich eigenständige Ziele zu setzen, um ihrer Arbeit mehr Fokus zu verleihen. Der sozialdemokratischen Senatorin stünde es beispielsweise nicht schlecht zu Gesicht, sich endlich ernsthaft das Ziel zu setzen, keine/n Jugendlichen mehr verloren zu geben und den Bildungserfolg aller Kinder - mit oder ohne Migrationshintergrund - deutlich zu heben. Denkbar und wünschenswert wäre in diesem Zusammenhang auch ein verstärkter Einsatz für sehr lernwillige und -begabte Kinder.

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