13.03.2006

Metrolinien – ein voller Erfolg?

Im Dezember jährte sich die Einführung der Metrolinien durch die BVG. Die vorher so groß und mit viel PR angekündigten Änderungen riefen aber schon kurz darauf viel Kritik hervor, die damals in einem Artikel auf diesen Seiten geschildert worden sind. Was hat sich seitdem geändert? Was hat sich verbessert, was ist immer noch Status Quo?

 

Die BVG ist zufrieden

Es gab Ende letzten Jahres eine äußerst positive Zwischenbilanz seitens der BVG selbst. Mit Stolz vermeldete die BVG, die Bilanzen seien erfüllt worden. Man habe mehr Fahrgäste und Gewinne, die Beschwerden seien zurückgegangen.

Beides lässt sich aber auch anders interpretieren: Denn vielleicht waren es ja nicht die Metrolinien, die für mehr Fahrgäste gesorgt haben, sondern die allgemein steigenden Spritpreise, die viele dazu bewegt haben, auf den öffentlichen Nahverkehr zu wechseln. Dabei hätte der öffentliche Nahverkehr in Berlin wesentlich mehr hiervon profitieren können. Claudia Hämmerling, Verkehrsexpertin der Bündnisgrünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, hierzu: “In München z.B. haben die steigenden Mineralölpreisen einen Run auf die öffentlichen Verkehrmittel bewirkt. Im letzten Jahr gab es dort einen Fahrgastzuwachs um 4,5 %. In Berlin gab es trotz des Tourismusbooms nur ein mickriges Prozent mehr Fahrgäste. So wird in München das Betriebsergebnis durch zusätzliche Fahrgäste verbessert, während in Berlin dafür wieder einmal an der Fahrpreisschraube gedreht wird.”

Und hinsichtlich des Rückgangs der Beschwerden: Weniger Beschwerden bedeutet nicht automatisch, dass kritisierte Missstände abgeschafft worden sind. Anlässlich einer Postkartenaktion der Berliner Bündnisgrünen im Senat, bei der Kunden nach ihrer Zufriedenheit mit dem Metrolinienkonzept befragt worden sind,  erhielt man immerhin 600 Zuschriften.

 

Tramlinien M1 und 50 teilweise auf dem Abstellgleis?

Schauen wir uns nun einmal die Situation in Pankow an: Die damals kritisierte, verwirrende Streckenführung der M1-Tram (sie endet an zwei verschiedenen Haltestellen) besteht immer noch. Es läuft aber nun vor Beginn des jeweiligen unterschiedlichen Streckenabschnittes eine Durchsage von Band, die auf die Endhaltestelle hinweist.

Neuerdings scheint die BVG aber eine noch einfachere Lösung parat zu haben. Wie vor kurzem zu lesen war,  soll das Tramnetz wegen Sparmaßnahmen um 25% ausgedünnt werden. Eine der Strecken die stillgelegt werden soll  ist – richtig geraten – eine der beiden Verläufe der M1 nach Rosenthal. Aber auch in Französisch Buchholz wird man sich darauf einstellen müssen, in Zukunft auf die Tram zu verzichten und nach alternativen Transportmitteln suchen.

Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich berichten, dass beide Linien fast zu jeder Tageszeit sehr gut ausgelastet sind. Deswegen ist es mir ein Rätsel, warum sie betroffen sind. Und ganz abgesehen davon: Ich bin zwar kein Ökonom, aber wenn man aufgrund von Schulden darauf angewiesen ist, die Einnahmen durch Kunden zu erhöhen, sollte man das Angebot für eben diese dann nicht verbessern, anstatt es zu verschlechtern? Es erscheint mir nur logisch.

Claudia Hämmerling sieht die Ankündigung dieser Maßnahme, die in punkto Service im starken Kontrast zur angekündigten Verbesserung des Nachtverkehrs steht, auch sehr kritisch: “Dahinter steckt die Methode Zuckerbrot und Peitsche. Das wird ganz ähnlich funktionieren wie das Metrolinienkonzept. Die attraktiven neuen Angebote überlagern die Angebotskürzungen. Aber hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.”. Sie bemängelt in diesem Zusammenhang weiterhin die fehlende Transparenz der BVG und fordert mehr Kontrollrechte durch den Senat, denn die BVG agiere ihrer Meinung nach quasi wie ein Staat im Staate.


Keine Verbesserungen bei der M2

Auch bei der M2 hat sich nichts zum Besseren gewendet. Die damaligen Beschwerden der Bewohner am Pasedagplatz mögen weniger geworden sein. Zu vermuten ist aber, dass man sich lediglich an den Missstand gewöhnt hat.
Wir Bündnisgrünen fordern schon seit längerem Verbesserungen bei der Behindertenfreundlichkeit. Bei einigen Punkten hat es diese auch gegeben, dennoch kritisiert Claudia Hämmerling, dass es bei der Straßenbahnlinie M2 kein Entgegenkommen gegeben habe.

 

Das Fazit: Die BVG verbreitet hinsichtlich der Metrolinien einen Optimismus, der zum großen Teil nicht gerechtfertigt ist. Denn es gibt noch vieles zu verbessern oder zu korrigieren.

 

Dietmar Sittek (Online-Redaktion)



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